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  • AutorenbildChristine Lehner

Volkstheater und "Schmock"

Aktualisiert: 19. März

Wohltat für Leib und Seele

 

Wer einmal einen richtig entspannten Theaterabend erleben möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Volkstheater samt Abendessen im Restaurant Schmock. Ursprünglich am Stiglmaierplatz in der Maxvorstadt gelegen, warten beide seit Oktober 2021 mit einem wirklich sehenswerten Neubau im hippen Schlachthofviertel auf. Ein Muss für Architektur-Liebhaber und Fans mediterraner Levante-Küche.



Das Münchner Volkstheater von außen
©Christine Lehner

ENTSPANNUNG SCHON BEI DER ANFAHRT

 

Bereits die Anreise verläuft easy: das Volkstheater beherbergt im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine eigene Tiefgarage. Angesichts des Parkplatzmangels in München ein Traum. Die Stellplätze bieten genügend Platz, selbst für größere Fahrzeuge. Nur ein paar Treppenstufen nach oben, und man steht direkt im Theater-Foyer. Entspannter geht’s nicht.

 

Das Theatergebäude selbst besticht innen durch einen luftigen Bau in kräftigen Blau- und Gelbtönen, außen durch seine hellrote Backsteinfassade, konzipiert vom Stuttgarter Architekturbüro LRO Lederer Ragnarsdóttier Oei. Kurioserweise fühle ich mich beim Betrachten der Fassade an ein Gemälde des amerikanischen Künstlers Edward Hopper erinnert. Vielleicht, weil das Gebäude, trotz seiner Größe, durch den einheitlichen, rötlichen Look der Ziegel sehr kompakt wird, ein bisschen so wie in Hoppers „Greenwich Village“, obgleich in mir beim Betrachten keine Leere, sondern ein Gefühl des zu Hause seins entsteht.




 

ELEGANTE RÄUME, MEDITERRANES FLAIR

 

Da wir unbedingt noch das letzte Fünkchen Tageslicht nutzen wollen, um Fotos von der rundgeschwungenen Fassade zu machen, betreten wir das „Schmock“ über die mediterran anmutende Terrasse – ansonsten wäre ein Zugang in das Restaurant auch direkt vom Theaterfoyer aus möglich gewesen. Weil der gesamte Abend als Hochzeitsgeschenk für meine Schwester und deren Mann gedacht ist, haben wir zu dritt einen Tisch im hinteren Restaurantbereich, quasi dem Hauptraum, reserviert und werden dort persönlich platziert.

 

Der Raum wird nach hinten durch eine luftige Glasfront begrenzt, doch schafft der Saal aufgrund des gedämpften Lichts, den rot-braunen Wänden, des hölzernen Mobiliars und den sanft flackernden Kerzen (sehr stilvoll gestaltet von der Münchner Innenarchitektin Cosima von Wulffen) eine gemütliche Atmosphäre. Das Publikum ist bunt gemischt, sowohl Paare als auch kleinere Gruppen unterschiedlichen Alters haben Platz.



©Jessica Tovenrath

LEVANTE-KÜCHE VOM FEINSTEN

 

Die Karte bietet eine feine Auswahl israelisch-arabischer Gerichte. Wir entscheiden uns für einen Vorspeisenteller für drei, bestehend unter anderem aus Humus, Tabbouleh, Bulgur, Falafel und Baba Ghanousch und erfreuen uns an dem - wirklich delikaten, weil fluffig und warmen – gereichten Fladenbrot. Als Hauptgang wähle ich im Ofen geschmortes Lamm mit Gemüse und Süßkartoffel-Püree. Ebenso wie die Schokotarte zum Schluss ein Genuss, denn beides zergeht förmlich auf der Zunge. Dazu ein prickelnd-fruchtiges Getränk mit dem Namen „Spritz Haifa“ - und ich wähne mich im Kulinarik-Himmel.



©Daniel Schvarcz

THEATER FAST WIE IM KINO

 

Bestens gelaunt und gestärkt verlassen wir nach rund zwei Stunden Genuss das Schmock wieder in Richtung Theater, da die Vorstellung gleich beginnt. Schnell noch ein Schluck Wasser an der Bar (hier geht alles blitzschnell, kein großes Schlange stehen am Tresen) und wir nehmen auf unseren äußert bequemen Sesseln, gefühlt so gemütlich wie im Kino, im Großen Saal Platz.

 

Auch das Stück, das wir uns für diesen Abend ausgesucht haben (Die verlorene Ehre der Katharina Blum) wirkt ein bisschen wie ein Kinofilm: Die Darsteller spielen die Erzählung von Heinrich Böll aus dem Jahr 1974 authentisch und emotional, immer wieder begleitet von mehreren Kameras, die die Mimik und Gestik hautnah auf großen Leinwänden übertragen und dadurch miterleben lassen, was uns als Zuschauer sehr fesselt.



Uns überzeugen sowohl die Regie (das Stück wurde von Hausregisseur Philipp Arnold inszeniert) als auch die schauspielerische Leistung der Mitwirkenden. Und - Überraschung! - die angenehme Länge: nach nur knapp einer Stunde und dreißig Minuten (Spielfilmlänge) fällt der Vorhang wieder, das Publikum beginnt zunächst zögerlich zu klatschen, etwas unsicher, ob wir wirklich schon am Ende der Vorstellung angekommen sind (vor allem, weil es gerade so spannend ist!). Doch schnell verwandelt sich das anfängliche Zögern in kräftigen Schlussapplaus, den das Ensemble unserer Meinung nach absolut verdient hat.

 

Beglückt von diesem rundum gelungenen Abend, der für Leib und Seele eine echte Wohltat war, treten wir glücklich die Heimfahrt an. Wie traumhaft entspannt und anregend zugleich so ein Abend doch sein kann.



©Roland Halbe


 

Fotos: Christine Lehner // Daniel Schvarzc, Jessica Tovenrath (mit freundlicher Genehmigung des Restaurant Schmock) // Roland Halbe, Gabriela Neeb (mit freundlicher Genehmigung des Münchner Volkstheaters)

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